Leute – ich komme mir zur Zeit vor wie in einem Film. Und ausnahmsweise nicht in einem falschen, sondern in einem, der sich verdammt gut anfuehlt. Der dritte Tag neigt sich dem Ende, wir residieren heute Nacht in „The Fernery“ in der Naehe von Oudtshoorn und waehrend ich das hier schreibe, sitze ich in einem luxurioesen Chalet mit einem Badezimmer, das halb so gross wie mein Wohnzimmer zuhause ist.
Was ich hier in Suedafrika erlebe, ist absolut sensationell und eigentlich unbeschreiblich. Ich versuche dennoch, die bisherigen Ereignisse in Worte zu fassen. Seid vorgewarnt – es wird etwas laenger, auch wenn ich mich bemuehe, wirklich nur einen groben Ueberblick zu geben und nicht ins Detail zu gehen.
Die ersten zweieinhalb Tage haben wir im „Shamwari Game Reserve“ verbracht, wohin wir direkt nach unserer Ankunft in Port Elizabeth gebracht wurden. Unsere Lodge befand sich mitten in der Wildnis, weshalb wir in der Dunkelheit von einem bewaffneten Ranger zu unseren Chalets begleitet wurden – aus Sicherheitsgruenden, falls sich ein Leopard zwischen die Huetten verirren sollte. Was zwar sehr unwahrscheinlich, aber nicht ausgeschlossen ist. Das nur als grobe Idee, wo wir rein geographisch gesehen in den ersten drei Naechten untergebracht waren. Mitten im Busch zu sein muss aber nicht zwangslaeufig heissen, dass man auf fliessendes Wasser
und Strom verzichten muss. Soweit war mir das auch von vorneherein klar, aber was mich dann in meinem kleinen Reich an Luxus erwartete, hat mich wirklich von den Socken gehauen. Ich hoffe, ich kann zumindest einen kleinen Eindruck mit den Bildern vermitteln, die ich gemacht habe und demnaechst online stelle.
Am Nachmittag unserer Ankunft ging es auch gleich noch auf eine kleine Safaritour durch den Wildpark, wo wir unsere erste Giraffe und ein Loewenpaerchen sehen konnten – abendliches Picknick im Busch inklusive.
Tag 1 und Tag 2 verbrachten wir groesstenteils ebenfalls auf Safari. Das sah ganz grob gefasst wie folgt aus: Um sieben Uhr morgens Fruehstueck, um acht Uhr in den Jeep – moeglichst warm angezogen, denn hier in Suedafrika ist im Moment noch Winter und die Temperaturen sind morgens und abends sehr frisch. Dazu weht einem ein recht kuehler Wind ins Gesicht, wenn der Ranger mit dem offenen Jeep sportlich ueber die Pisten fegt. Fuer alle Faelle gab es aber ausreichend Decken an Bord, von denen wir auch fleissig Gebrauch machten. Im Gegensatz zu uns war Graham, unser Ranger, rund um die Uhr in kurzem Hemd und Shorts unterwegs. Heute morgen habe ich ihn das erste Mal in langen Hosen gesehen – muss wohl tatsaechlich kalt gewesen sein...
Wie dem auch sei – ab in den Jeep und Graham ist dann mit uns zu Plaetzen gefahren, an denen in der Regel Tiere zu sehen sind. Parallel stand er mit anderen Rangern, die ebenfalls im Park unterwegs waren, per Funk in Kontakt, um sich auf dem Laufenden zu halten, wo gerade Tiere gesehen wurden. Je nachdem, was zu sehen war und wo, sind wir dann dorthin gefahren. Giraffen, Antilopen, Zebras und Warzenschweine (oder so etwas aehnliches)trifft man ziemlich haeufig an. Etwas seltener, aber auch noch regelmaesig zu sehen sind Nashoerner und Elefanten. Relativ schwierig wird es dann schon mit Loewen, doch auch die Koenige des Dschungels konnte uns Graham dreimal zeigen. Sehr schwierig ist es, Bueffel zu finden bzw. einigermassen nah an sie heranzukommen, da diese ziemlich scheu sind – kaum zu glauben von Tieren, deren landessprachliche Bezeichnung „schwarzer Tod“ bedeutet. So gut wie unmoeglich und damit ein absolut einmaliges Ereignis ist das, was uns gleich am ersten Tag passiert ist: zwei Geparden auf einmal zu sehen. Diese Spezies erwischt man nur sehr selten in freier Wildbahn und wenn dann nicht in Gruppen, weil sie Einzelgaenger sind. In diesem Fall handelte es sich um Brueder, die haeufiger gemeinsam unterwegs sind, da sie dann groessere Beutetiere angreifen koennen, wie Graham uns erklaerte. Ein unglaublicher Gluecksfall und wirklich beeindruckend, diese wunderschoenen Raubkatzen zu beobachten, wie sie in aller Seelenruhe durch den Busch streifen. Ausserdem konnten wir auch Nilpferde beobachten, was mir persoenlich eine besondere Freude war, weil ich diese Tiere einfach nur putzig finde – auch wenn sie die zweitgefaehrlichsten Tiere in Afrika sind. Das Wort „faul“ werde ich im uebrigen in Zukunft durch „hippo“ ersetzen... klingt besser und kommt auf’s Gleiche raus.
Ansonsten haben wir uns noch das Born Free Animal Rescue and Education Center besichtigt; darauf werde ich ggf. in einem separaten Blog etwas genauer eingehen.
Heute war dann der Tag, vor dem die meisten von uns den groessten Respekt hatten – der „B-Day“! Was heisst: ab zur Bloukrans Bridge mit der hoechsten Bungee-Jumping-Anlage der Welt und aus 216m Hoehe in die Tiefe springen. Vorab: alle Abenteurer sind gesprungen – auch diejenigen, die wirklich Angst hatten und eigentlich nicht wirklich wollten. Und darauf waren wir allesamt heute Abend unglaublich stolz. Ich persoenlich habe mehrere Phasen durchlebt:
1) Als am Parkplatz anhielten und unsere Ausruestung und Einweisung erhielten, freute ich mich tatsaechlich auf den Sprung.
2) Waehrend wir auf dem Weg zur Plattform waren fing ich beim Blick nach unten an zu zweifeln, ob das wirklich so eine gute Idee war.
3) Auf der Plattform selbst habe ich ansatzweise so etwas wie Panik bekommen, weil sich alles in mir dagegen wehrte, mich aus so einer Hoehe fallen zu lassen. Eigentlich kein Wunder – fuer mich ist das eine der widernatuerlichsten Sachen ueberhaupt. Wirklich Angst hatte ich nicht bzw. nur davor, dass mein Koerper irgendwelche ungewollten Reaktionen zeigt und ich beispielsweise mit nasser Hose wieder oben ankomme.
4) Direkt vor dem Sprung habe ich es geschafft, mich wieder einigermassen zusammenzuraufen, indem ich mich darauf konzentrierte, WIE ich das am besten auf die Reihe kriege und nicht mehr darueber nachdachte, WAS ich da vorhabe. Trotzdem hatte ich einen dicken Klos im Hals und ansatzweise Traenen in den Augen.
5) Der Absprung: Dieser Moment war der schwierigste fuer mich und dafuer finde ich tatsaechlich keine Worte.
6) Das Fallen: Als ich erst einmal in der Luft war, habe ich den Sprung tatsaechlich genossen und das so sehr, dass ich schon fast enttaeuscht war, dass genau in diesem Moment das Seil griff und mich davon abhielt, noch weiter nach unten zu fallen. Schliesslich war noch so viel Platz nach unten...
7) Das Auspendeln: Davon habe ich kaum etwas mitbekommen; erst als ich wirklich nur noch kopfueber am Seil hing und darauf wartete, dass der Mitarbeiter des Veranstalters kommt, um mich wieder nach oben zu holen. In diesem Moment wurde mir ansatzweise bewusst, was ich gerade getan hatte – und das war ein unglaubliches Gefuehl. Eine Mischung aus Stolz, Kraft und Freiheit... schwierig, das zu beschreiben. Auf dem Weg nach oben fing mein ganzer Koerper dann an zu zittern und hat eine ganze Weile nicht mehr aufgehoert. Das war auch der einzige „Aussetzer“ – die Hose ist trocken geblieben. ;-)
Das war mit Abstand die extremste Erfahrung, die ich bislang in meinem Leben gemacht habe und vermutlich jemals machen werde. Ich habe auch immernoch nicht wirklich realisiert, was da heute mittag passiert ist. Aber seitdem fuehle ich eine Ruhe und Gelassenheit in mir, die ich bislang noch nicht kannte.
Dagegen war das Nachmittagsprogramm mit der Tsitsikamma Canopy Tour schon fast ein Spaziergang. Mit Geschirr und Helmen ausgeruestet ging es in den suedafrikanischen Regenwald, wo ein Waldseilgarten mit zehn Plattformen auf uns wartete. Diese waren in etwa 20m Hoehe in den Baeumen platziert und wir sausten in ein Stahlseil eingehaengt von einer zur anderen. Das Ganze machte ziemlich viel Spass, auch wenn jeder gedanklich noch immer beim Bungee-Sprung war bzw. ist.
Von der Umgebung unserer heutigen Unterkunft konnten wir leider nichts sehen, da wir um 19 Uhr bei voelliger Dunkelheit eintrafen. Was aber nicht wirklich schlimm war, sobald man den Blick nach oben richtete: Ich kann mich nicht daran erinnern, wann oder ob ich jemals einen so atemberaubend schoenen Sternenhimmel gesehen zu haben – inklusive einer deutlich sichtbaren Milchstrasse.
Mit einem gemeinsamen Barbecue konnten wir den Tag gemuetlich ausklingen lassen – ein Tag, den ganz bestimmt niemand von uns so schnell vergessen wird.
Und obwohl noch fuenf spannende Tag vor uns liegen, kann ich schon jetzt sagen: diese Sache hier ist definitiv eins der richtig grossen Highlights in meinem Leben. Nicht nur das Programm an sich, sondern auch das ganze „Drumherum“. Da haben sich ein paar Leute wirklich unglaublich viel Muehe gemacht, eine Idee in die Tat umzusetzen und setzen alles daran, dass wir hier eine unvergessliche Zeit haben. Die Leute von National Geographic Channel und die Filmcrew sind alle unglaublich freundlich, humorvoll und liebenswert. Von meinen „Abenteuer-Kollegen“ ganz zu schweigen. Ich bin absolut fasziniert, wie solch unterschiedliche Menschen (und das ist der „Global Tribe“ definitiv) so gut miteinander harmonieren und auskommen koennen.
Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick in unser Suedafrika-Abenteuer gewaehren und werde wieder von mir hoeren lassen, sobald sich eine Gelegenheit bietet.