Newtown – so heißt der Teil der Innenstadt, der die Seele Johannesburgs darstellt. Das berühmte Market Theatre, Jazzbars, Tanzstudios und Künstlergemeinden sind hier genauso angesiedelt wie Museen, Büchereien und viele historisch interessante Plätze. Kurz: Newtown darf bei keinem Johannesburg-Besuch fehlen.

„Ich komme von den neu entdeckten Goldfeldern von Kliprivier, genauer gesagt von der Farm eines gewissen Gert Oosthuizen“, erklärte George Harrison am 24. Juli 1886 in einer offiziellen Stellungnahme an das Pretoria Mines Department. „Ich habe lange Erfahrung als australischer Goldgräberund glaube, dass dies ein profitables Goldfeld ist.“
Das eintönige Highveld-Grasland wird von den Bergen des Witwatersrand durchbrochen. In der Nähe von Bezuidenhout ist es mit vereinzelten Dornenbäumen und am Ufer eines kleinen Sees auf der Farm Braamfontein mit einigen Blaugummibäumen gespickt. Diese unauffällige Oberfläche verbirgt enorm ertragreiche Goldadern – was einen Ansturm von Glückssuchern einläutete.
Keine Stadt der Welt wuchs schneller. Bis zum Zweiten Weltkrieg war aus Johannesburg mit seinen Zikkurat-Wolkenkratzern im Art-Deco-Stil das „Wonder of Empire“ geworden, das „Wunder des Imperiums“. „Johannesburg mit seinen Wolkenkratzern ist nicht irgendeine Stadt“, schrieb Herman Charles Bosman in Johannesburg. „Diese hohen Gebäude aus Beton und Stahl würden überall höchst eindrucksvoll aussehen, und hier sind sie einfach mitten in die Landschaft gesetzt worden.“
Die fieberhafte Bautätigkeit wurde nicht zuletzt durch die reichen Tonvorkommen am Fordsburg Spruit westlich der Stadt ermöglicht.
Doch die glänzende Medaille hatte auch ihre Kehrseite: Die Entdeckung von Gold führte zu einem Andrang verarmter Menschen auf der Suche nach Beschäftigung. Viele, die nicht als Bergarbeiter unterkamen, zog es in die betriebsamen Ziegelfabriken am Fordsburg Spruit. Direkt nebenan drängten sich die unterschiedlichsten Völker im Slum von Brickfields zusammen, in der Stadt als „Poverty Point“, „Ort der Armut“, bezeichnet.
Ein Jahrzehnt später gestaltete sich die Situation im Slum noch hoffnungsloser: Die Ziegelfabriken schlossen, um Platz für Kazerne zu schaffen, den ersten Verschiebebahnhof Johannesburgs. Und noch viel schlimmer wurde es, als der Burenkrieg auch hier seine heftigen Spuren hinterließ.
Der Ausbruch der Beulenpest im Jahr 1904 bot der Stadtverwaltung von Johannesburg die Gelegenheit, diese „Höhle“ zu säubern; es kam zur ersten Zwangsräumung in der südafrikanischen Geschichte. Brickfields wurde bis auf die Grundmauern niedergebrannt und das Gebiet in Newtown umbenannt. Ein Obst- und Gemüse- und ein Viehmarkt, eine Fabrik, ein Schlachthof und ein Elektrizitätswerk entstanden, und das Gebiet entwickelte sichschnell zum Handelszentrum der Stadt.
Bis zum Ende der Siebziger Jahre jedoch war der Glanz verblasst und Newtown nur noch ein baufälliger Schatten seiner selbst. Der Markt war verlegt, das Elektrizitätswerk geschlossen worden, seine Kühltürme implodiertund die beeindruckende Werkshalle genauso stillgelegt wie die Turbinenanlage.
Es war Zeit für die Wiedergeburt von Newtown - als ein Zentrum der Kunst und Kreativität.
Die WiedergeburtIn den Achtziger Jahren öffnete im Ostflügel des alten Marktgebäudes das berühmte Market Theatre, das erste nicht nach Rassen getrennte Theater in Johannesburg. Ihm folgten Kippies Jazz Bar, die Dance Factory und das Museum Africa in den anderen Teilen des Komplexes. Die weitere Entwicklung in dem Gebiet umfassten das South African Breweries Centenary Centre, Mary Fitzgerald Square und Workers’ Library and Museum. Hier ist das Gelände, in dem schwarze städtische Arbeiter untergebracht waren, als Ausstellung zu besichtigen.
Heute ist Newtown eines von vier Flaggschiffunternehmungen von Blue IQ, einer Initiative der Regierung der Provinz Gauteng. Ziel ist es, die Wirtschaft der Provinz durch die gezielte Investition in Großprojekte neu zu beleben. Die Maßnahme umfasst auch die Aufwertung des restlichen Gebiets und die Verbesserung der vorhandenen Einrichtungen. Zudem soll eine sauberere und sicherere Umgebung und mehr Unterstützung für die kreativen Gewerbe und kleinen Betriebe in dem Viertel geschaffen werden.
Die kreativen Bereiche spielen für die Wirtschaft und Kultur
des Landes eine besondere Rolle“, kommentierte der frühere Präsident Nelson Mandela. „Newtown ist seit vielen Jahren Heimat für Kreativität, insbesondere seit der Gründung des Market Theatre. Es spielt eine bedeutende Rolle für die Verjüngung der Innenstadt von Johannesburg.
In Newtown gibt es eine Menge zu tun und zu erleben. Zum Start bietet sich eine Tour durch die Museen an, bei der sich der Besucher von der Kunst inspirieren lassen kann, um dann in die ganz eigene Atmosphäre des Viertels einzutauchen.
Auf Genießer warten hervorragende Restaurants. Die Cape-Malay-Spezialitäten im Gramadoelas sind ebenso empfehlenswert wie das afrikanisch beeinflusste Moyo im Market Theatre Precinct. Wahlweise kann der Gast auch die exzellenten indischen, nordindischen und pakistanischen Restaurants im benachbarten Fordsburg probieren.
Und dann heißt es: Partyzeit! Wer die Tanzfläche erobern will, ist im Carfax genau richtig. Man kann auch das Glück haben, einen der großen südafrikanischen Maestros wie Hugh Masekela live im Bassline zu erleben – einem Ort, an dem die Musik niemals aufhört.