A perfect day at Cape Grace
von Stefan, Tag fünf und sechs
Ein kurzer Einschub der Vollständigkeit halber: Eine Regenfront am vierten Tag zwang uns zu einer kurzfristigen Planänderung. Wegen der Gewitter konnten die kleinen Zubringerflugzeuge nach Jo'burg nicht mehr starten, so daß wir auf einen Kleinbus ausweichen mussten. Singita hat alles organisiert. Die Fahrt nach Jo'burg und der Weiterflug nach Kapstadt kostete allerdings den ganzen Tag. Kapstadt hat uns aber mit 25° und Sonne empfangen. Noch herzlicher war der Empfang der Mitarbeiter von Cape Grace, die uns am Flughafen abholten: Waterfront bei Sonnenuntergang - sehr schön. Einchecken und Eintragen im Gästebuch: Zwei Seiten weiter vorne im Gästebuch stand eine gewisse Frau Clinton - war sie nicht durch einen Songtext bekannt geworden - „Stand by your man“ oder so ähnlich.
Nach langer Fahrt früh zu Bett, kleines Dinner auf dem Zimmer mit Blick auf den nächtlichen Yachthafen der Waterfront.
Mal unabhängig vom Land, wie stellen Sie sich einen absolut perfekten Urlaubstag vor? Ohne wenn und aber und ohne jeden Makel. Vielleicht gelingt es mir, einen solchen Tag zu beschreiben, den ich gestern erleben durfte.
Ich wache auf in einem geschmackvoll exklusiven Zimmer, öffne die Vorhänge und blicke auf den Yachthafen an der Waterfront, blaues Wasser
, eine Robbe, die im Wasser herumalbert, weiße Yachten, blauer Himmel und der Tafelberg im Hintergrund. Zum Frühstück trifft sich die Gruppe im Wintergarten mit Blick auf Waterfront und Poolanlage und eigentlich weiß ich kaum, wohin ich zuerst schauen soll. Frühstück vom Müslibuffet oder a la carte: Letzteres heißt, alles wird frisch zubereitet. Ein großes Plus, wenn ich an die Rühreier in manch anderem Hotel denke, die schon einige Stunden der Warmhaltung hinter sich haben. Frühstück ist im Preis mit drin - jetzt könnte ich die Karte rauf und runter bestellen, aber die Gruppe drängt - der nächste Top-Act wartet:
Helikopterflug um den Tafelberg
Vom Cape Grace perfekt organisiert: Eines der Hotelfahrzeuge wartet schon, nebst Fahrer, der tatsächlich Mortimer heißt und uns auch entsprechend formvollendet auf die weite Reise zum Hangar geleitet: 5 Minuten später sind wir da, auf der östlichen Seite der Waterfront. Kurze Einweisung vor dem Flug, umschnallen der Rettungsweste und Sitzaufteilung: Mit 1,90 m darf ich auf den Beifahrersitz und bekomme die Sondereinweisung, während des Fluges die Pedalen vor mir nicht zu betreten. Ach nee! Vielleicht hat man mir angesehen, dass ich noch in keinem Helikopter saß. Ohrenschützer auf, Mikrofonprobe mit allen und los geht’s. Es fliegt sich in einem Helikopter viel ruhiger als ich dachte. Waterfront, das neue, fast fertige Fußballstadion für die WM und über die Innenstadt weiter zum Tafelberg und dann rechts rum – das heißt gegen den Uhrzeigersinn. Lion's Head, die Clifton Beaches bis hoch nach Hout Bay, dann hinter den 12 Apostel wieder zurück zum Ausgangspunkt über den Botanischen Garten, die University of Cape Town und die Villen bei Kirstenbosch. Welch ein Gewitter von Bildern und Eindrücken von oben: Mir blieb nicht mal Zeit, über meine Flugängste (in kleinen Maschinen) nachzudenken. Die Kameras sind heiß gelaufen und die Nacharbeit der Fotos wird Stunden in Anspruch nehmen – im Gegensatz zu den 20 Minuten Flug. Genial.
Mortimer wartet schon und fährt uns weiter zur Gondelbahn, rauf auf den Tafelberg. Die Tickets waren vom Hotel vorgebucht, das spart das Anstehen. Mit über 1000 m Höhe ist der Tafelberg die gottgegebene Aussichtsplattform über Kapstadt und jetzt, bei optimaler Sicht, wollen alle hinauf – Touristen und Einheimische. Die Aussicht von oben ist, wie zu erwarten, überwältigend in drei Himmelrichtungen – nach Norden auf Down Town, nach Westen auf Camps Bay und nach Osten in Richtung Kirstenbosch. (Bilder sagen hier mehr als viele Worte). Der Tafelberg ist gut besucht und dennoch scheint mir alles sehr sauber: Mag daran liegen, daß der Gondelfahrer kurz vor Ankunft etwas von 1000 Euro (oder waren es Rand?) Strafe fürs „Littering“ erwähnte.
Viele machen den Rückweg zu Fuß, wir nehmen wieder die Gondel, denn das nächste Highlight und Mortimer warten schon. Mortimer lässt uns am Bo Kaap, auch mal malaysisches Viertel genannt, raus und wir gehen zu Fuß weiter zum Greenmarket Square – lustiges Treiben mit Flohmarkt, eingerahmt von Cafés, weiter durch Company Gardens am Parlament und einigen Museen vorbei, und über die Long Street, der Einkaufs- und Kneipenstraße von Kapstadt, zurück zum Cape Grace.
Die Damen der Gruppe hatten je einen Termin im Spa des Hotels gebucht. Und ich habe mich überreden lassen, es auch zu versuchen – sonst kann ich ja schlecht in diesem Blog darüber berichten. Ich gestehe, ich hatte bestenfalls eine diffuse Vorstellung davon, wie eine Spa-Behandlung abläuft. Ich gestehe weiterhin, ich habe am Empfang den Routinier gemiemt. Nur in der Umkleide fragte ich mich schon, was man (Mann) eigentlich drunter zieht unter den Spa-Mantel, wenn man zum Behandlungsraum schreitet. Und wie geht’s dann weiter ? Der Spa-Mantel ist formschön im japanischen Stil, aber auch ebenso lang oder kurz sollte ich besser sagen. Ich entscheide mich für die sportliche Variante mit Handtuch um die Hüften und nix drunter und den Spa-Mantel locker drüber und schleiche zum zugewiesenen Behandlungsraum.
Boxers on or Boxers off, it doesn't matter, meint Ilse, meine südafrikanische Therapeutin mit deutschem Namen. Nun ja, die Wahl hatte ich eigentlich eh nicht mehr. Ilse erklärt die verwendeten Mittel der brandaktuellen Behandlung „Skin Sphere Spice Journey“, doch gibt mein Englisch nicht alle Fachbegriffe her. Technisch gesagt, wurden vier Mittel in Schichten aufgetragen und einmassiert, anschließend 10 Minuten Sauna oder Dampfbad und abschließend eine Full Body Massage. Man(n) fühlt sich danach wie neu geboren. Und ich darf der Männerwelt sagen: Ihr wisst gar nicht, was ihr verpasst!
Whisky-Tasting auf der „Spirit of the Cape“
Wo findet man die größte Whisky-Auswahl der südlichen Hemisphäre? Klar, auch im Cape Grace – sonst würde ich es ja kaum erwähnen. Auch selbstredend, dass diese getestet werden muß. Nicht selbstredend, daß man sich hierfür auf der hoteleigenen Yacht „Spirit of the Cape“ einfindet. Kurze Begrüßung durch den Skipper, Schuhe aus und rauf aufs Vorderdeck. Zu Sechst auf einer 18m Motoryacht, kein alltägliches Vergnügen. Dann noch allein unter Frauen – und wer die Waterfront kennt, weiß, dass zwei Fußgänger-Zugbrücken geöffnet werden müssen, bevor die Yachten in offene See stechen können. Ich glaube, wir haben schon einige neidische Blicke auf uns gezogen. Zu Recht. Der Whisky Sommelier gibt uns eine kurze Einführung zur Herstellung und Lagerung von Whisky. Es scheint eine Wissenschaft für sich zu sein – ich habe mitgenommen: Je älter, desto besser. Der Rest ist Geschmackssache – von Kakaoaromen, zu denen Schokolade gereicht wurde, über milde Blends bis hin zu rauchig-herben Geschmacksrichtungen, zu denen Lachs eine besondere Note entwickelte. Später erklären mir meine Mitreisenden, dass man an den Whiskyproben eigentlich nur nippt (wie bei einer Weinprobe). Zu spät, aber ich war nicht der Einzige, der gut gelaunt von Bord ging.
Eine Stunde Pause – und was wäre ein perfekter Tag ohne ein perfektes Dinner im Hotelrestaurant Signal. Ich wähle das Tasting Menu – fünf Gänge mit fünf Weinen, in denen sich die vielen verschieden kulinarischen Einflüsse Südafrikas widerspiegeln: Jakobsmuscheln auf Bohnenpürree, Curry Kokosnusssuppe mit Kresse, Pflaumensorbet, Kaninchenpastete, Rinderfilet mit Gorgonzola-Strudel und Creme Brulée mit Bananeneis - hierzu die wahrhaft passenden südafrikanischen Weine, wiederum ausgiebig erklär,t warum welcher Wein hierzu passt. Wir bitten im Anschluss die Küchenchefin, uns das Menü zu signieren – ja richtig gelesen, sie ist eine der wenigen Vertreterinnen ihrer Zunft.
Was darf es noch sein, um einen perfekten Tag abzurunden: Ein kleiner Abschlusscocktail bei lauen 20°C mit Blick auf den Yachthafen in der Bascule Bar.
Wie lässt sich ein solcher Tag noch toppen? Gar nicht. Man kann nur versuchen, mit einem ruhigeren Folgetag die Erinnerung daran zu konservieren. Sich Zeit nehmen für das Frühstück zum Beispiel und die vielen Annehmlichkeiten und Aufmerksamkeiten genießen. Ein Beispiel: Ich bestelle Cappuccino zum Frühstück – wenig später erscheinen zwei Mitarbeiter der Küche und fragen, ob sie mir zeigen dürften, wie Sie den Cappuccino zubereiten. Also gut: Der Espresso ist vorbereitet in der Tasse, die Milch aufgeschäumt in einem Gefäß, wovon der oberste Teil abdekantiert wird – es hätte sich ja eine Milchhaut bilden können. Der Milchschaum wird dann so grazil auf den Kaffee geträufelt, dass zu oberst ein tannenbaumähnliches Bild entsteht – eigentlich viel zu schade zum Trinken. Kreative Ideen von engagierten Mitarbeitern, die mehr machen, als nur ihren Job. In einem Gespräch erfahre ich, dass die Mitarbeiter im Cape Grace viel länger bleiben als in der Branche üblich – sie seien angekommen in ihrer Wunschposition !! Wer kann das von sich sagen.
Das Programm an diesem Folgetag ist bewusst knapp gehalten, so dass Zeit zum Shoppen an der Waterfront bleibt. Der Halbtagesausflug führt uns rund um Kapstadt: Die Pinguinkolonie bei Boulder's Beach, die Clifton Beaches und ein Überraschungsbesuch bei einem Künstler in Hout Bay – Paul du Toit, der u.a. auf Grund der modellierten Hände von Nelson Mandela bekannt wurde. (Sie wurden zuletzt für 3,5 Mio Dollar gehandelt) Wie kommt man auf solche Programmpunkte? Das Cape Grace bedient sich der Dienste einer ortsansässigen Lady mit gutem Netzwerk, die weit über das Normale hinaus gehen, was ein Concierge im Hotel bieten kann... Kunst, Kultur
oder auch nur Shopping-Beratung – alles auf Stundenbasis, wodurch Unabhängigkeit gewährleistet sein dürfte.
Es würde wieder zu weit führen, die weiteren Restaurants im Detail zu beschreiben, die wir in Kapstadt und Südafrika erkunden durften. Die Küchen war in jedem Fall exzellent. Wobei es nicht das eine kapstädtische Gericht gibt, sondern die Verschmelzung der verschiedenen Einflüsse den Reiz ausmacht: die indisch-malaysische Richtung, die Fleischqualitäten aus heimischer Aufzucht (Rind, Strauss) oder Seafood frisch vom Fish market. Und alles zu Preisen, die auch im Luxussegment bei nur ca. 50 % von Frankfurt liegen.
Morgen mehr von der Weiterreise nach Knysna und dem Pezula Resort Hotel ...
Whisky Tasting im Cape Grace
Hallo Stefan, klingt tatsächlich nach einer unvergesslichen Reise! Mein Freund reist Ende des Jahres nach Kapstadt. Kann man das Whisky Tasting auch ohne Yacht im Cape Grace buchen? Wäre ein schönes Geschenk...
Whisky Tasting
Hallo Maike,
sorry, ich musste mich erst wieder bei der Arbeit eingewöhnen - daher die späte Antwort.
Ja, soweit ich gesehen habe, kann man das Whisky-Tasting in der Bar des Hotels buchen (Bascule) - und zwar in drei Varianten. Falls dein Freund Dauergast in Cape Town ist, wie wäre es dann mit einer Mitgliedschaft im dortigen Whisky-Club. Ich habe eine Liste von derzeit 70 Mitgliedern gesehen.
Als Geschenk wuerde ich aber auch das Tasting Menu (siehe Bericht) empfehlen.