RANGERIN GESAS TAGEBUCH TAG 12: 7 DINGE, DIE ICH AUF SAFARI GELERNT HABE

Lektionen fürs Leben

 

1. Meine Sinne sind noch da…Hurra!

In der Stadt habe ich meine Sinne kaum benutzt. Ja, ich habe sie sogar betäubt. Mit Kopfhörern und Smartphone zum Beispiel. Im Busch kam es dann zu einem großen Erwachen, als plötzlich alle meine fünf Sinne (und manchmal auch der sechste…) wieder richtig zu tun hatten: Der Geruch nach Popcorn bedeutet, dass in der Nähe irgendwo ein Leopard sein Territorium markiert hat. Knackende Äste in der Nacht sind ein gutes Zeichen dafür, dass Elefanten in der Nähe sind. Die Temperatur von Elefanten-Mist zu fühlen, hilft ungemein, um festzustellen, wie weit entfernt das Tier ist, das für den Mist verantwortlich ist.

 

2. Verlaufen gibt es nicht

Ich bin auf meinen vorherigen Reisen auch schon immer gerne einfach losgelaufen und habe in der Fremde grundsätzlich nie Angst, mich zu verlaufen. Das gibt es für mich in dem Sinne auch gar nicht. Während meinem Busch-Navigationskurs bekam ich hierfür die Bestätigung. Ich habe gelernt: „A guide is never lost, just temporarily disorientated.“ Die Lektion gilt im Übrigen für’s ganze Leben: Auch wenn wir mal vom Pfad abkommen – es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir ihn wiederfinden. Bis dahin hilft Vertrauen. Auf die Fügung, das eigene Können und die Menschen um einen herum, die einen nicht im Stich lassen werden.

A guide is never lost, just temporarily disorientated

3. So geht Anpirschen

Das Verhalten der Tiere frühzeitig zu verstehen und zu deuten, ist unersetzlich als Safari-Guide; genauso wie den leichtesten Richtungswechsel des Windes wahrzunehmen. Es lohnt deshalb, immer eine mit Asche gefüllte Socke dabei zu haben – einmal kurz hochwerfen und wieder auffangen, lässt sich so die Windrichtung bestimmen. Genauso wichtig ist der Standpunkt der Sonne (wie viel Zeit habe ich noch, bis es dunkel wird?), Fluchtwege (wohin verdünnisiere ich mich, wenn ein Tier schlechte Laune hat?), Deckung (wo verstecke ich mich, wenn ein Tier schlechte Laune hat?).

4. Natürliche Geräusche halten nicht vom Schlafen ab

Nach nur wenigen Nächten im Busch waren all die natürlichen Klänge wie Musik in meinen Ohren. Zuhause in Berlin bin ich regelmäßig aufgewacht von Polizeisirenen, betrunkenen Nachbarn und schreienden Babys. Im Busch schlafe ich jetzt selbst wie eins.

 

5. Ein Tag im Busch ist grundsätzlich doppelt so gut wie ein Tag irgendwo anders

Mit dem Landrover durch Flüsse fahren, Elefantenfährten lesen, Löwen aufspüren, Reifen wechseln, Camp herrichten… Im Busch gibt es immer was zu tun. Die Tage hier beginnen noch bevor die Sonne aufgeht und man kommt vom ersten vierstündigen Bush-Walk des Tages zurück, noch bevor der in der Stadt überhaupt begonnen hat. All das ist wahnsinnig befriedigend. Die Arbeit an der frischen Luft erfüllt einen mit Freude und bringt gleichzeitig einen tieferen Sinn. Für mich gibt es im Busch nur gute Tage. Auch ein schlechter Tag im Busch ist immer noch doppelt so gut wie ein guter irgendwo anders.

Für mich gibt es im Busch nur gute Tage

6. You never stop learning

In den meisten Berufen stellt sie sich irgendwann ein: Die Routine. Und mit ihr kommt dann die Langeweile und der Wunsch, auszubrechen. Ich glaube, abgesehen davon, dass Safari-Guides so viel Zeit in der Natur verbringen – und das einfach glücklich machen muss, haben diese Menschen auch deshalb den besten Job der Welt, weil sie nie aufhören zu lernen. So vieles in der natürlichen Welt wird nach wie vor noch erforscht! Erfahrung macht glücklich. Daran glaube ich ganz fest.

7. Alles erzählt eine Geschichte

Wer mit offenen Augen nicht nur durch den Busch, sondern durch die Welt läuft, wird erkennen, dass alles und jeder eine Geschichte zu erzählen hat. Das war für mich die bisher schönste Erkenntnis hier draußen. Alles lässt sich interpretieren, alles ist hier aus einem bestimmten Grund. Alles hat eine Aufgabe zu erfüllen. Warum ist der Ast umgeknickt? Warum steht da ein Termitenhügel? Wohin bringt der Mistkäfer den Mist? Warum hat der Himmel heute Morgen eine andere Farbe als gestern? Die Lektionen, die uns die Natur lehren kann, sind endlos und es wird immer neue Fragen geben, die wir stellen können, um uns neue Geschichten von ihr erzählen zu lassen.

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