RANGERIN GESAS TAGEBUCH TAG 7: HOHER BESUCH - MANN, IST DER HOCH

Elefanten aus nächster Nähe

 

Es ist der Tag vor der Prüfung. Morgen um 07.00 Uhr muss ich 75% der Fragen richtig beantworten. Ansonsten ist meine Reise an dieser Stelle zu Ende… Logisch, dass die Elefanten ausgerechnet in dieser Nacht beschließen, im Camp vorbeizukommen.

Als ich knackene Äste höre, sitze ich kerzengerade im Bett

Oh mein Gott, die Elefanten kommen! Das Zelt wird mir zu eng. Ich wäge meine Chancen ab und beschließe, dass ich draußen sicherer bin. Mit zittrigen Händen öffne ich den Reißverschluss. Der Mond wird von Wolken verdeckt. Dass da zwischen Klo und mir ein Tier ist, kann ich dennoch deutlich wahrnehmen. So deutlich, dass ich seinen Atem höre. Mit angezogenen Beinen hocke ich auf dem Boden. Als die Wolke vorüberzieht und der Mond Licht auf das Geschehen wirft, entsteht einer von diesen Jurassic-Park- Momenten.

Vor mir steht ein ausgewachsener Elefantenbulle

 

Hals und Rüssel ausgestreckt versucht er, die Blätter in den Baumkronen zu erreichen. Ich halte mir die Hand vor den Mund, damit er meinen Atem nicht hört. Keine Ahnung, was in diesem Moment die beste Idee ist. Zurück ins Zelt? Langsam wegschleichen? Sitzenbleiben? Ich bin doch nur in der Ausbildung!

 

Dann hört der Bulle zu fressen auf, schaut in meine Richtung. Vielleicht hat sich der Wind gedreht, ich weiß es nicht. Was ich aber mit Sicherheit weiß ist, dass er jetzt weiß, dass ich hier sitze. Minuten vergehen. Er scheint abzuwägen, was jetzt zu tun ist.  Überlegt, ob von diesem fremden Wesen eine Gefahr ausgeht. Genau wie ich.

 

Die Entscheidung fällt er, indem er auf mich zukommt. 

 

Wie groß er wirklich ist, merke ich erst, als ich meinen Kopf tatsächlich in den Nacken legen muss. Er ist jetzt nur noch einen Meter von mir entfernt. Ich kann seinen warmen Atem auf meiner Haut spüren und rieche die Blätter, die er gefressen hat. Er bleibt nicht stehen, zieht leise an mir vorbei und tut so, als hätte er mich gar nicht gesehen. Mit dem Hintern reibt er dann noch kurz an meinem Zelt. Keine Ahnung wieso. Vielleicht einfach nur, weil er es kann. 

 

Als er vollends an mir vorbei ist, krabbele ich auf allen vieren um die Ecke und sehe ihn hinter der Küche verschwinden. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich immer noch dem Atem anhalte. Und mein Herz bis zum Halse schlägt. Die Prüfung habe ich total vergessen. Ich glaube, ich habe sie in eben diesem Moment bestanden…

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