RANGERIN GESAS TAGEBUCH TAG 9: DAGGA BOYS

Die Grösste Gefahr im Busch

 

Für den Ecotraining Trails Guide Course bin ich zur nördlichsten Spitze des Krüger Nationalparks gereist. Hier im Makuleke-Camp lerne ich, wie ich mich potenziell gefährlichen wilden Tieren zu Fuß nähere, dabei Windrichtung und Sonnenstand in Betracht ziehe und außerdem ein .375 Gewehr benutze, um mich und meine zukünftigen Safari-Gäste in einer Krisensituation zu verteidigen.

 

Eine Spezies ist hier ganz neu für mich – und sie gilt als die wohl Gefährlichste unter der afrikanischen Sonne: der Büffel.

 

Auf den ersten Blick nicht mehr als eine gewöhnliche Milchkuh, möchte man irgendwie nicht so recht glauben, dass von diesem gemütlichen Wiederkäuer eine besonders große Gefahr ausgehen soll. Tatsächlich ist der Büffel aber verantwortlich für die meisten „Zwischenfälle“ im Busch. Und das liegt an seiner unfassbar schlechten Laune.

Es sind die älteren Bullen der Herde, mit denen nicht zu spaßen ist.

Hier in Südafrika werden sie Dagga-Boys genannt. Was sich jetzt erstmal nach Boy-Band anhört, bedeutet übersetzt soviel wie „Matsch-Jungs“. Mit zunehmendem Alter verlieren Büffel-Bullen mehr und mehr ihr Fell und suhlen sich zum Schutz vor der Sonne fortan im Matsch. Wer jetzt aber denkt, Dagga-Boys hätten kein dickes Fell mehr, der hat sich gewaltig getäuscht.

 

Daggas haben immerhin über 40 Jahre auf dem Buckel, in denen sie sich gegen Wildkatzen, Hyänen und Menschen behaupten mussten. Wenn sie sich bedroht fühlen, fackeln sie nicht lange. Wenn du im Busch ein Tier überraschst, gibt es den sogenannten

„Fight-or-Flight-Moment“ – den Moment, in dem das Tier entscheidet, ob es angreifen oder weglaufen soll. Entscheidet sich der Büffel für den „Fight“, stürmt er mit einer Geschwindigkeit von 54 Kilometern pro Stunde und gesenktem Kopf auf den Feind zu und nimmt ihn zwischen die Hörner.

Das ist dann ungefähr so, als würde man von einem Taxi im Stadtverkehr umgehauen werden.

 

Die Daggas hier in Makuleke scheinen aber bisher ganz gut gelaunt zu sein. Vielleicht ist es auch einfach nur zu heiß. Jedes Mal, wenn mir die Jungs zu Fuß begegnen, suchen sie entweder das Weite oder sie kauen gelangweilt weiter auf einem Grashalm rum.
„Tach, Jungs, ganz schön heiß heute, was?“ sage ich dann und sie rollen als Antwort
maximal genervt die Augen bevor sie sich in die Palmbüsche verziehen.

 

Die größte Gefahr im Busch?

 

Hm. Zumindest auf diese alten Männer trifft das nicht zu.

Newsletter abonnieren

Dein Herz schlägt für Südafrika? Dann abonniere ganz unverbindlich unseren Newsletter, denn so erhältst du immer alle wichtigen News rund um das Land an der Südspitze: Atemberaubende Routen, die schönsten Weingüter und natürlich jede Menge Wildlife zum Vorfühlen und Nachlesen.